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Peptide spritzen für Muskeln: Hadis (30) riskiert sein Leben
Publiziert15. April 2026, 04:26 Gehypte InjektionenHadis (30) spritzt gefährliche Peptide: «Ich fühle mich wie Hulk» Mitglieder der Fitness- und Wellnessszene hypen aktuell Spritzen mit nicht zugelassenen Peptiden – Hadis injiziert sie bereits seit zwölf Jahre
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«Ich hatte vergessen, zu essen, und plötzlich wurde mir auf der Autobahn schwindelig. Ich habe einen Burger bestellt und war in den fünf Minuten, in denen ich auf ihn gewartet habe, komplett durchgeschwitzt», erzählt Hadis (30). Dahinter steckte ein Blutzuckerabfall – denn Hadis spritzte sich zuvor Insulin. Nicht weil er Diabetes hat. Der Aargauer ist Bodybuilder und nutzte das Peptid zur Unterstützung beim Muskelaufbau.
Wie weit würdest du für einen «perfekten» Körper gehen?
Nur mit Training und Ernährung – alles andere kommt für mich nicht infrage.
Ich würde legale Supplements nutzen, aber keine riskanten Mittel.
Wenn es schnellere Resultate bringt, wäre ich offen für Peptide oder andere Mittel.
Ich verstehe den Druck, aber mir wäre das Risiko zu gross, etwas Illegales zu spritzen.
Ich habe mir darüber noch nie Gedanken gemacht.
Experte warnt: Hadis riskiert den Tod
Peptide sind unterschiedliche Eiweissbausteine, die in der Fitness- und Wellnessszene aktuell einen riesigen Hype erleben. Sie sollen die Haut reiner und gebräunter machen, die Haare dicker, den Körper in der Heilung unterstützen oder eben dabei helfen, Muskeln aufzubauen – sind aber in vielen Fällen nicht zugelassen. In der Vorbereitung für Wettkämpfe probierte Hadis etwa Retatrutid, einen experimentellen Wirkstoff, der unter anderem zum Einsatz bei der Gewichtsreduktion übergewichtiger Patientinnen und Patienten entwickelt wird. «Bis vor kurzem nahm ich zur schnelleren Heilung von Verletzungen auch noch TB 500 und BPC-157. Aktuell bin ich nur noch auf dem Wachstumshormon hGH und auf Insulin.»
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Die Formulierung «nur noch» ist dabei für den Zellbiologen Dr. Malte Puchert eine masslose Untertreibung. Er ist alarmiert: «Unsachgemässe Anwendung von Insulin ohne medizinische Notwendigkeit oder ärztliche Verordnung ist potenziell lebensgefährlich – sie kann zu schwerer Hypoglykämie bis hin zum Tod führen.» Auch vor hGH warnt er eindringlich: «Das Wachstumshormon birgt Risiken, etwa Insulinresistenz oder Gewebewachstum, und ist deshalb zu Recht verschreibungspflichtig.» Laut Dr. Puchert fehlen für die allermeisten im Biohacking genutzten und nicht als Medikament zugelassenen Peptide, einschliesslich BPC-157, TB 500 und injizierbarem GHK-Cu, belastbare klinische Studien in Bezug auf Wirkung, Dosierung oder Nebenwirkungen. «Die Daten aus Zell- und Tierstudien, die es gibt, sind lückenhaft und nicht einfach auf den Menschen übertragbar.»
Über den Experten
Dr. Malte Puchert ist Zellbiologe und Molekularbiologe sowie Fitnesstrainer. Auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht er Videos zu wissenschaftlichen Themen und neuen Veröffentlichungen rund um Gesundheit, Fitness, Kraftsport, Ernährung, Supplements und andere Bereiche eines aktiven Lifestyles oder der Biologie.
«Ich fühlte mich einfach geil»
«Ich bin mit 19 Jahren das erste Mal mit Peptiden in Kontakt gekommen. Im Fitnessstudio habe ich mit einigen älteren Männern gesprochen, die viele Muskeln hatten», so Hadis. Sie erzählten ihm von verschiedenen Peptiden, die er spritzen könne, um schneller Muskeln aufzubauen. «Ich hatte damals null Ahnung, sie hätten mir alles erzählen können. Ein Freund von mir hat mir dann die Peptide besorgt und ich habe sie ohne ärztliche Aufsicht ausprobiert, total naiv.» Hadis spürte schon nach wenigen Wochen Erfolge, nahm zu und baute Muskeln auf. «Ich fühlte mich einfach geil. Natürlich machte ich weiter. Wieso sollte man aufhören, wenn man sich gut fühlt?» Er sagt heute: «Wäre ich noch einmal so jung, würde ich noch mehr spritzen.»
Eine gefährliche Ansicht, so der Experte. «Der Substanzmissbrauch kann nicht abschätzbare gesundheitliche Schäden verursachen. Ausserdem ist davon auszugehen, dass viele der Mittel verunreinigt sind oder nicht das enthalten, was angegeben wurde», sagt Dr. Puchert.
Swissmedic warnt: «Wer Peptide spritzt, wird zum Versuchskaninchen»
Swiss Sport Integrity – die Schweizer Anlauf- und Meldestelle für Dopingbekämpfung – bestätigt, dass die Beschlagnahmung von gesundheitsgefährdenden Peptiden hierzulande massiv zugenommen hat. Sie werden sie online mit dem Hinweis «research only» (also nur zu Forschungszwecken) oder «not for human consumption» (nicht für den menschlichen Konsum) angeboten – mit wenigen Klicks bestellen Biohacker und Fitnessfreaks sie nach Hause.
Swissmedic sagt dazu: «Die Falschangaben haben zum Ziel, Zollkontrollen zu vermeiden oder sich von jeglicher Verantwortung zu distanzieren, falls es nach der Einnahme dieser Produkte zu schweren Nebenwirkungen kommt.» Denn einige der beliebten Substanzen wurden noch nicht an Menschen getestet. «Die Personen, welche sich diese Präparate injizieren, sind Versuchskaninchen», stellt Swissmedic klar. Es sei nur schwer nachzuvollziehen, was in den Ampullen ist. «Die Produkte selbst stammen von nicht kontrollierten Herstellern oder Lieferanten. Selbst wenn gewisse Peptide bekannt und als Arzneimittel auf dem Markt zugelassen sind, bedeutet das nicht, dass die Peptide auf dem illegalen Markt die gleiche Qualität haben.»
Bisher 200'000 Franken in den Körper investiert
Mit Peptiden hatte Hadis mehr Kraft, mehr Motivation fürs Training, mehr Lust auf Sex und bekam mehr Selbstbewusstsein. «Man fühlt sich wie der Hulk, das macht etwas mit dir.» Allerdings spürte er auch negative Effekte. «Es kam etwa vor, dass mein Blutbild nicht mehr so gut aussah, etwa weil ich zu viel Östrogen oder zu viele Androgene hatte. Dazu wurde ich leicht reizbar – schon eine rote Ampel konnte mich auf die Palme bringen.»
Hadis sagt: «Natürlich kommt es immer darauf an, welche und wie viele Peptide man nimmt. In der Vorbereitung auf meine Wettkämpfe 2024 habe ich fast alles ausprobiert.» So steht der 30-Jährige etwa offen dazu, auch Anabolika zu nehmen, die nicht zu den Peptiden zählen. «Damals habe ich es sicher übertrieben.» Zum aktuellen Zeitpunkt spürt Hadis laut eigener Aussage keine Nebenwirkungen mehr.
Risikofaktor Anabolika
Zellbiologe Dr. Puchert sieht nicht nur Risiken bei den Peptiden, die Hadis nutzt. Vor allem über den Anabolikakonsum ist er besorgt: «Die geschilderten Auswirkungen auf Training, Hormone, Psyche und Libido lassen sich in erster Linie dadurch erklären. Anaboler Steroidmissbrauch birgt erhebliche gesundheitliche Risiken. Er kann zahlreiche Organsysteme schädigen, darunter das Herz-Kreislauf-System, die Leber, das Hormonsystem und die Psyche.»
«Ich weiss mittlerweile, wie viel ich nehmen kann und was ich gut vertrage. Ich würde jetzt nicht von einem auf den anderen Tag meine Dosis um das Zehnfache erhöhen.» Das würde auch ins Geld gehen. Schon jetzt gibt Hadis monatlich mehrere Hundert Franken für die Peptidspritzen aus: «Ich habe mal ausgerechnet, was ich bisher in meinen Körper und meine Fitness investiert habe. Es sind etwa 200'000 Franken – das hätte für einen schönen Porsche gereicht.»
Coaches statt Studien
Hadis informiert sich hauptsächlich über Coaches zu Peptiden – Studien lese er eher nicht. «Die Schweizer Bodybuilding-Legende Jean-Pierre Fux hat mich damals über Whatsapp betreut und mir zum ersten Mal mehr Infos über Peptide gegeben, etwa grob erklärt, wie sie funktionieren. Danach bin ich über einen Coach in Deutschland richtig in die Szene gekommen, mit Supplements und allem Drum und Dran.»
Dazu hört Hadis viele Podcasts aus der Bodybuilding-Szene, in denen es um Peptide geht. Angst, dass er es mit drastischeren Nebenwirkungen zu tun bekommt, hat er nicht. «Ich habe sicher Respekt, aber kenne mich mittlerweile gut aus. Natürlich kann man sagen, Peptide sind noch nicht genug erforscht. Aber die Menschen fühlen sich damit wohler.» Dr. Puchert hat ein Problem mit solchen anekdotischen Erfahrungen zu Peptiden: «Sie haben kaum Aussagekraft, da – wie bei der Homöopathie – auch der Placeboeffekt oder Zufall solche Effekte erklären können.»
Alkohol und Zigaretten sind für Peptid-Fan Hadis laut eigener Aussage hingegen ein rotes Tuch. «Beides rühre ich nicht an – es schadet dem Körper sicher mehr.» Dr. Puchert mahnt: «Die Risiken sind nicht mit Alkohol oder Rauchen vergleichbar. Für die meisten nicht zugelassenen Peptide wurden sie nie systematisch untersucht.»
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Malin Mueller (mmu) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin Lifestyle und Beauty-Redaktorin. Ihr Fokus: Hautpflege, Frisuren und Trend-Checks.