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Peptide: Der Fitnesstrend und seine Gefahren - Wien
Wetterkritik: Sonnig und warm mit 17 Grad. Genießen Sie das Frühlingswetter, so lange es anhält. Guten Morgen! Haben Sie das Buch „Gym“ gelesen? Verena Keßler beschreibt darin eine junge Frau, die der Fitnesswahn packt. Anfangs trainiert sie, um ihre Speckröll
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Wetterkritik: Sonnig und warm mit 17 Grad. Genießen Sie das Frühlingswetter, so lange es anhält.
Guten Morgen!
Haben Sie das Buch „Gym“ gelesen? Verena Keßler beschreibt darin eine junge Frau, die der Fitnesswahn packt. Anfangs trainiert sie, um ihre Speckröllchen wegzubekommen. Als sich die ersten Muskeln abzeichnen, wird sie ehrgeizig. Sie geht immer öfter ins Gym, stemmt immer mehr Gewichte. Irgendwann ernährt sie sich nur noch von rohen Eiern und Harzer Käse. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist das Hobby zum Wahn geworden. Von da an dauert es nicht lange, bis sie beginnt, sich Steroide zu spritzen.
An „Gym“ fühlte ich mich bei dieser Recherche erinnert. Begonnen hat sie mit einer Aussendung des Bundeskriminalamts am 25. Februar. Die Polizei hat in Wien ein illegales Pharmalabor hochgenommen, indem Steroide und andere illegale Sportnahrungsergänzungsmittel hergestellt wurden. „Solche Sicherstellungen gibt es immer wieder“, sagte ein Ermittler zum Falter.morgen.
Ein Anruf bei der Anti-Doping-Agentur Nada ergab: „Der überwiegende Teil passiert im Breiten- und Freizeitsport.“ Konkret: in Fitnessstudios und beim Bodybuilding. Von hier an führte mich die Recherche ins Internet, wo Influencer zwar keine Steroide bewerben, aber Präparate, die ebenfalls unter illegales Doping fallen und gefährlich sein können. Mehr dazu gleich.
Außerdem: Viktoria Klimpfinger hat den feministischen femchor bei einer Probe besucht. Und Andrea Maria Dusl weiß, woher die Bezeichnung „Brisler“ für talentierte Kicker kommt.
Einen schönen Tag wünscht
Soraya Pechtl
Heute für Sie auf falter.at:
Diese Texte haben vergangene Woche auf unserer Website die meisten Leserinnen und Leser interessiert:
Barbara Tóth hat die Frau getroffen, die gegen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann Vorwürfe des Machtmissbrauchs erhebt. Weißmann ist inzwischen zurückgetreten, dementiert über seinen Anwalt aber alle Beschuldigungen. Was die mutmaßlich Betroffene selbst dazu zu sagen hat, lesen Sie hier.
Armin Thurnher kämpft infolge einer Kaskade von Missgeschicken mit der Technik in Form eines Parkhaus-Kassenautomaten, diagnostiziert mit Besorgnis fortschreitende Vertrottelung an sich selbst fest, wird dann aber gerettet und beruhigt – und verarbeitet das in seiner Seuchenkolumne.
Wir trauern: Alfred Noll, Intellektueller, Citoyen, Jurist und dem Falter in all diesen Rollen jahrzehntelang tief verbunden, ist vergangene Woche im Alter von 66 Jahren verstorben. Armin Thurnher widmet ihm einen Nachruf und würdigt Noll darin als den „wahren Staats-Anwalt“.
PS I: Mozzarella – wer liebt ihn nicht, den weißen Kugelkäse? In Wien bringen die Brüder Valentino mit ihrem „Fior di Latte“ ein Stück Apulien in den Alsergrund – und das ist nur einer von sechs Tipps für Käse-Highlights, den die Redaktion von FALTERs Best of Vienna für Sie zusammengestellt hat.
PS II: Sie suchen nach Lesestoff? Dann werden sie in unserer Literaturbeilage, dem FALTER Bücherfrühling, mit Sicherheit fündig. Die Redaktion stellt darin auf 40 Seiten 65 aktuelle Neuerscheinungen vor – Literatur ebenso wie Kinder- und Sachbücher. Zum Schmökern geht es hier.
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(c) Chico Hängematte GmbHRechtzeitig zum Frühlingsbeginn gibt es die CHICO Hängematten und Hängesesseln in farbenfrohen Mustern und frischen Frühlingsdesigns. Perfekt also für die Ostereiersuche…Ein Besuch in der Filiale 7. Siebensterngasse 54 lohnt sich!
Vom Salat schrumpft der Bizeps
Im Netz propagieren Fitness-Influencer das Spritzen von Peptiden, um den Muskelaufbau zu fördern. Welche Gefahren der Trend birgt:
„Das beste Peptid für den Muskelaufbau? IGF-1 LR3. Im Grunde ist es wie ein starkes Wachstumssignal für deine Muskeln“, sagt ein muskulöser Fitness-Influencer auf Instagram. Der Mann will die „Welt der Peptide entfesseln.“ Peptide sind organische Verbindungen aus kurzen Aminosäureketten. Unser Körper stellt sie selbst her. Man kann sie aber auch synthetisch produzieren, wie jenes in dem Video.
Der aufgepumpte Influencer verlinkt eine Homepage des in Wien sitzenden Unternehmen EuroPeptides, wo man dieses und andere Peptide bestellen könne. Dort steht aber: „Das Produkt ist ausschließlich für Forschungszwecke bestimmt. Nicht für den menschlichen Gebrauch.“ Das Unternehmen schreibt uns auch nochmals: Man richte das Angebot an „B2B- bzw. Forschungsumfelder“. Die Nutzung zu Forschungszwecken müsse man bei der Bestellung ausdrücklich bestätigen. „Darüber hinaus sind unsere internen Prozesse sowie die Darstellung der Produkte darauf ausgerichtet, eine Verwendung außerhalb dieses Rahmens weder zu fördern noch zu adressieren.“
Dass die beworbenen Peptide nicht so einfach in die Haut gespritzt werden sollen, verrät auch ein Blick in die Bildbeschreibung des Influencers. IGF-1 LR3 sei „nicht geeignet bei familiärer Krebsvorgeschichte“. Und: „WADA-verboten. Nicht FDA-zugelassen.“ Die FDA ist die US-amerikanische Arzneimittelbehörde. Die WADA ist die Welt-Doping-Agentur und hat den Wachstumsfaktor IGF-1 sowie zahlreiche andere Peptide auf die Liste der illegalen Substanzen gesetzt. Und nicht nur das.
Laut dem Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) unterliegt IGF-1 dem Arzneimittelgesetz: Es darf also nur gegen Rezept in Apotheken oder über andere reguläre Vertriebswege verkauft werden. „Wird es in nicht zugelassener Form in Verkehr gebracht, ist es prinzipiell als illegales (gefälschtes) Arzneimittel mit unbekannten Risiken und daher als gefährlich für die menschliche Gesundheit einzuschätzen.“ EuroPeptides schreibt uns dazu noch: „Wir legen großen Wert darauf, unsere Prozesse laufend im Einklang mit den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen.“
Auch das Gesundheitsministerium rät ausdrücklich von der Einnahme ab, weil IGF-1 „gravierende Gefahren für Patient:innen“ haben könnte. Es kann unter anderem das Wachstum von Tumoren befördern und zur Hypoglykämie (Unterzuckerung) führen.
Die Homepage von Euro Peptides, die Präparate seien nur zu Forschungszwecken bestimmt. © Screenshot Euro PeptidesBei anderen Peptiden, wie dem nach einem Marvel-Helden benannten „Wolverine-Stack“ (eine Kombination aus BPC-157 und TB-500) ist die Rechtslage grauer. Die BASG stuft sie nicht als Arzneimittel ein. Sie unterliegen demnach nicht den strengen Regeln von Medikamenten. Die WADA hat sie allerdings auch als illegale Doping-Mittel eingestuft.
Trotz dieser Bedenken gibt es im Netz viele Videos wie das eingangs erwähnte. Der kontroverse US-Podcaster Joe Rogan bewarb den Wolverine-Shot, US-Gesundheitsminister Robert Kennedy will die „aggressive Unterdrückung“ der Präparate beenden. Peptide scheinen das neue Ding zu sein, wenn man Muskeln aufbauen will. Sie sollen die Fettverbrennung ankurbeln, die Regeneration beschleunigen und eben den Bizeps wachsen lassen. Versprechen, die viele zu locken scheinen.
Die junge Generation trinkt weniger Alkohol und ist fitnessbewusster als andere vor ihnen. In Österreich haben 26 Prozent der 15- bis 29-Jährigen eine Mitgliedschaft im Gym. Die Zahl der Fitnessstudios in Wien ist in 20 Jahren von 105 auf 234 gewachsen (hier lesen Sie eine Reportage von Lukas Matzinger über die Generation Gym). „Das ist grundsätzlich positiv“, sagt Pascal Bauer, er ist Sportwissenschaftler und betreibt mehrere Fitnessstudios in Wien. Aber er sieht vieles in der Fitnessbranche auch kritisch.
Manche Influencer im Netz propagieren strikte Ernährungsweisen (Hauptsache Protein), maximalen Muskelaufbau und extreme Körperbilder. „Junge Menschen, die ihre Identität noch finden müssen, vergleichen sich dann gerne mit solchen Personen“, so Bauer.
„Wir merken schon, dass der Trend stark in Richtung Optimierung geht“, sagt auch Oliver Scheibenbogen, klinischer Psychologe beim Anton-Proksch-Institut. Eine Koffeintablette zu nehmen, wenn man für das Training zu müde ist, sei keine Seltenheit. Nahrungsergänzungsmittel stehen schon lange in vielen Haushaltsschränken. Und wem das nicht reicht, der greift zu Peptiden.
Manche Peptide sind als Medikament zugelassen (zum Beispiel Semaglutid, der Wirkstoff in der Abnehmspritze). Andere werden in der Hautpflege verwendet. Aber viele Präparate, die im Netz beworben werden, sind weder zugelassen noch ausreichend klinisch getestet. Das birgt Risiken. „Viele Supplements landen am Ende einfach im Urin – teures Pipi“, sagt Pascal Bauer. „Peptide sind aber etwas anderes: Sie wirken nicht wie klassische Nährstoffe, sondern greifen gezielt in körpereigene Prozesse ein.“
Laut der österreichischen Anti-Doping-Agentur NADA kann es bei der Einnahme von Wachstumshormonen zu Diabetes oder einer Belastung des Herz-Kreislauf-Systems kommen. Auch das Wachstum „von Händen, Füßen, Nase und Unterkiefer“ ist möglich. Bei einem Peptid namens Barbie – sie soll die Haut schneller braun werden lassen – warnt die FDA vor einem erhöhten Krebsrisiko. Und das Gesundheitsministerium schreibt uns: „Versprochene Wirkungen wie Steigerung des Muskelwachstums oder beschleunigte Wundheilung beruhen derzeit auf keiner Datenlage.“
Man sollte also lieber die Finger davon lassen, wenn die Peptide nicht von einem Arzt oder einer Ärztin verschrieben wurden.
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(c) Julia Wesely / Wiener MusikvereinMusikverein: Wiener Symphoniker-Abonnement im Goldenen Saal
Fünf Abende große Orchesterkunst im Goldenen Saal: Internationale Künstler:innen wie Yuja Wang, Petr Popelka oder Adam Fischer treffen auf Werke von Tschaikowskij, Brahms, Haydn, Schumann u. v. m. Ein Abonnement für alle, die Weltklasse-Dirigent:innen, herausragende Solist:innen und symphonische Meisterwerke im Goldenen Saal genießen möchten.
Termine: 24.10.2026, 5.12.2026, 9.1.2027, 24.4.2027 und 19.6.2027, jeweils um 19.30 Uhr, € 45,– bis € 495,–.
Jetzt Abonnement sichern!
Ab Herbst werden sich die Kriterien für die Vergabe von Gemeindewohnungen ändern. Wie die Kronen Zeitung berichtete, soll im September eine entsprechende Gesetzesnovelle in Kraft treten. Künftig soll es ein Punktesystem geben, das stärker auf „individuelle Bedürfnisse“ Rücksicht nimmt. Und wer sich nicht korrekt verhält (zum Beispiel bei unerlaubter Untervermietung), kann für fünf Jahre gesperrt werden.
Julia Lessacher, SPÖ-Bezirksvorsteherin in Mariahilf, will ein Alkoholverbot rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße. Der Bezirk hat die Stadt aufgefordert, ein solches Verbot zu prüfen (nicht zum ersten Mal). Die Gegend rund um die Gumpi gilt seit Jahren als Drogen-Hotspot.
„Feuer und Flamme dem Patriarchat”
Seit Jahren tritt der femchor bei Demonstrationen und feministischen Veranstaltungen auf. Ein Besuch bei der Chorprobe.
Sie stehen im Kreis und strecken sich, schütteln sich aus. „Mondlandung”, sagt Chorleiterin Nastasja Ronck die nächste Aufwärmübung an. „War schon einmal eine nicht cis-männliche Person auf dem Mond?”, fragt sie. Die Chormitglieder lachen, während sie sich bewegen wie Neil Armstrong in seinem Raumanzug.
Der femchor versteht sich als feministisches Projekt. Das spiegelt sich sowohl in der Besetzung des Chores wider als auch in der Wahl der Songs – und der Interpretinnen und Produzenten, die dafür verantwortlich zeichnen. Ein wichtiger Faktor in Zeiten von #metoo. Im Frühjahr 2025 hat Ronck die Leitung übernommen. In der Musikszene kennt man sie längst: Seit 2020 ist sie Mitglied der Band „My Ugly Clementine“.
Der femchor im Jänner im Kosmos Theater © Lisa LeutnerZuerst geht sie mit dem Chor ein paar Zeilen durch, die ihr beim letzten Auftritt zu wenig deutlich artikuliert waren. Der Song heißt „Der Ekel” und stammt von Charlotte Brandi: „Deine Antipathie hat mich lange erstaunt. / Jetzt ergibt alles Sinn / Du hast einfach Angst vor Frauen.” Im Repertoire hat der Chor alles zwischen Kampfliedern der Arbeiterinnenbewegung wie „Bread and Roses”, das 1912 beim Streik von 20.000 Textilarbeiterinnen im US-amerikanischen Massachusetts bekannt wurde, und Lady Gagas „Disease”.
Ende Jänner veranstaltete der femchor sein erstes eigenständiges Konzert im Kosmos Theater im 7. Bezirk. Zwei Termine, beide ausverkauft. Die Chormitglieder traten – das ist beim femchor üblich – in bunten, selbst gestalteten Kostümen auf. Es geht nicht nur um Wut und Kampfgeist gegenüber dem Patriarchat, sondern auch ums Mut- und Sichtbarmachen. Der Abend endete mit Standing Ovations.
Entstanden ist der Chor aus einer feministischen Facebook-Gruppe, kurz vor dem ersten Corona-Lockdown. „Gesungen haben wir am Anfang draußen, im Augarten oder am Donaukanal – da hatten wir noch keinen Proberaum”, sagt Gründungsmitglied Christina. Als gemeinsames Singen schließlich vorübergehend verboten wurde, traf man sich online in Video-Meetings. Der Chor überdauerte, aus zehn Personen sind 35 geworden.
Einmal in der Woche treffen sie sich nun in einem Proberaum im 15. Bezirk. Ronck will ein Protestlied der argentinischen Musikerin Mercedes Sosa einstudieren. Amnesty International nannte sie eine „Symbolfigur des demokratischen Argentiniens”. In ihren Liedern positionierte sie sich unter anderem gegen die Militärdiktatur und für die unterdrückte indigene Bevölkerung. Dass sich ausgerechnet Chöre für politische Botschaften eignen, kommt nicht von ungefähr. Man denke nur an die Chöre der Arbeiterbewegung. Banden bilden, auf die eine oder andere Art.
Zum Schluss geht Ronck noch einen neuen Sprechgesang mit dem Chor durch. „Feuer und Flamme dem Patriarchat”, skandiert der femchor bei so gut wie jedem Auftritt. Zum Repertoire soll nun der Text eines Songs kommen, den die Rapperinnen Mariybu und Ebow kurz vor dem 8. März veröffentlicht haben. Aus gegebenem Anlass: „Es sind nicht alle Männer, aber es ist immer ein Mann. Doch keiner von ihnen war’s, sie haben weiße Westen an. Jede meiner Freundinnen hat die Scheiße mal erlebt. Aber niemand ist ein Täter und ich frag’ mich, wie das geht.”
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Echtes Handwerk zu Ostern bei Felzl
Beim Thema Rosinen scheiden sich die Geister: Die einen lieben sie, die anderen lassen sie lieber weg. Zum Glück gibt’s den Reindling nach original Kärntner Rezept bei Felzl praktischerweise mit Rosinen oder mit Nüssen. Dazu traditionelle Osterpinzen pur oder herzhaft gefüllt – jede Nacht frisch aus der Wiener Handwerksbackstube für Ihr Osterfrühstück.
Bäckerei Felzl – Jetzt Filiale in Ihrer Nähe finden!
Warum galt im Club U4 in den 80er-Jahren ein Tanzverbot?
1. Weil die Tanzfläche bei einem Erdbeben beschädigt wurde
2. Weil sich junge Männer mehrmals auf der Tanzfläche geprügelt hatten
3. Politiker sahen in dem Lokal eine Gefahr für die Jugend
Auflösung von gestern: Die meisten Kategorie D Wohnungen gibt es im Bezirk Ottakring, nämlich 186 (in Favoriten gibt es 95 und Simmering 47 Wohnungen der Kategorie D). Quelle: Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien.
Vortrag
Die Yaghan lebten tausende von Jahren an den rauen Küsten des chilenischen Feuerlands. Durch die gewaltvolle Kolonialisierung im 20. Jahrhundert wurden die Wassernomaden und ihre Kultur nahezu ausgelöscht. Mit Cristina Calderón starb 2022 die letzte Yaghan und damit das letzte lebende Kulturerbe. Ihre Enkelin Cristina Zárraga setzt sich seit über zehn Jahren für den Erhalt der Yaghan-Kultur ein. Im Gespräch „Nicht die Letzte, nicht die Einzige“ mit der Kuratorin Claudia Augustat erzählt sie vom Leben und kulturellem Nachlass ihrer Großmutter. (Nahla Hamula)
Weltmuseum, 19.00
Theater
Chicago, um 1900. Ein asiatischer wirtschaftlicher Aufsteiger, genannt Shlink, und der Amerikaner George Garga verstricken sich eines Tages einfach so in einen Wettkampf, den beide und auch Gargas Familie nicht unbeschadet überstehen. Shlink nimmt sich am Ende gar das Leben – aus Angst, vom rassistischen Mob gelyncht zu werden. „Im Dickicht der Städte“, uraufgeführt 1923, ist wohl das seltsamste Stück von Bert Brecht. Mit großem Mut und in einem phantastischen Bühnenbild setzt Bruno Max dieses Verwirrspiel in Szene. Thomas Marchart und Andràs Sosko brillieren als Garga und Shlink – und Anna Sophie Krenn als Gargas Schwester Marie spielt die beiden noch an die Wand. (Martin Lhotzky)
Scala, 19.45 (auch 25. und 26.3.; Termine bis 10.4.)
Thomas Raab: Jedermanns Dämon
Irgendwo im Tal der Thaya treffen drei Straßen aufeinander, die Wegweiser zeigen nach Wien, Raab und Memersdorf. Der Ich-Erzähler, ein Mann in seinen besten Jahren, hält an: Nach Wien will er nicht, denn da kommt er her. Gegen Raab spricht, dass seine Familie von dort stammt. Also nach Memersdorf. Viel mehr als die Pandemie, die gerade abklingt, belastet ihn seine Schlaflosigkeit, gegen die er Antidepressiva nimmt. Dabei werden ihm die eigenen Erinnerungen fremd, lösen sich aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen. Klingt ein Ort namens Memersdorf in so einer Lage nicht wie ein Versprechen, die verlorene Ordnung wiederherzustellen? Erst recht, wenn dieser tief in einem Funkloch liegt?
Memersdorf wird von einem eindrucksvollen Schloss überragt, der einzigen Übernachtungsmöglichkeit für den Touristen. Der Reisende ist dort dann auch noch der alleinige Gast, die Verwalterin und der Hausdiener sind nur für ihn da, was eher ein diffuses Unbehagen auslöst als dass es zum Wohlbefinden beiträgt. Um sich etwas zu essen zu kaufen, steigt er hinab ins Dorf, wird im Laden mit einer alten Frau bekanntgemacht. Zita kennt alle hier unten im Dorf und oben im Schloss, aber auch den „Herren Touristen“, obwohl der sich an keine Begegnung mit ihr erinnern kann. Man könnte meinen, die Figuren aus Thomas Bernhards frühen Romanen hätten sich in den Kulissen Franz Kafkas eingerichtet. … (Tobias Heyl)
Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at
Das Geheimnis des Brislers
Liebe Frau Andrea, für koordinativ-technisch begabte und versierte Fußballspieler werden in der Umgangssprache oft Termini technici wie Techniker, Zehner, Ballesterer, Zangler oder Brisler verwendet. Mich persönlich würde die Herkunft des Begriffes „Brisler“ interessieren. Ich bitte Sie um Aufklärung.
Mit freundlichen Grüßen Johannes Uhlig
Der „Brisler“ oder „Brisist“ ist der geschickte Könner. Im Bild: Christoph Lang (LASK) und Bendeguz Bence Bolla (Rapid). © APA/TOBIAS STEINMAURERLieber Johannes,
der Fußballplatz ist ein Ort eines tiefsten und sehr speziellen Wienerischen. Begriffe wie „Techniker“ und „Ballesterer“ sollten uns keine Erklärungsmühe bereiten.
Als „Zehner“ versteht man auch außerhalb Wiens den Spielmacher, benannt nach der Rückennummer vieler Spieler auf dieser Position. Der „Zangler“ (von der feinmechanischen Arbeit mit der Zange) ist der trickreiche Dribbler. Der „Brisler“ oder „Brisist“ ist der geschickte Könner, der strategisch kluge Spieler. Ist doch im Wienerischen der „Bris“ die Ahnung, vom französischen compris, dem Partizip Perfekt von comprendre, verstehen. Der Brisler ist also der Versteher, wienerisch „Gneißer“.
Aus dem Reichtum hiesiger Kickerbezeichnungen wollen wir noch ein paar andere vorstellen. So den in der Verteidigung amtierenden „Außenpracker“ (von Pracker, Teppichklopfer), den langsam (wie im Freibad) spielenden „Badkicker“; den „Blinden“ ohne Übersicht und den „Bloßhapperten“, den schwachen, quasi ohne Schuhwerk antretenden Fußballer vom Land. Als „Eiergoalie“ oder „Fliagnfanger“ versteht man den blamablen Torwart, als „Federant“ den ängstlichen Spieler, als „Fiedler“ den blendenden Techniker, als „Furchler“ den Mittelfeldspieler, der am Spielfeld brav die Furchen zieht.
Die „Gwandlaus“ ist der schwer abzuschüttelnde Manndecker, der „Holzgschnitzte“ der unbegabte, oft überharte Spieler, „Hydrant“ ist der leicht zu Überspielende, „Kammerdiener“ einer mit dünnen Beinen, „Kuah“ ein Untalentierter. Der „Nagler“ gibt scharfe Schüsse ab, der „Sauser“ stürmt am Flügel. „Stehgeiger“ bezeichnet den einsatzschwachen Spieler, „Wadlbeißer“ den zähen Manndecker. Der „Zamschneider“ ist der überhart Spielende, „Zauberer“ schließlich der magisch begabte Artist, der gerne die launische Diva gibt.
Sie erreichen Frau Andrea unter [email protected]